Museen Dachau

Das Bezirksmuseum Dachau ist Teil des kommunalen Zweckverbandes Dachauer Galerien und Museen. Dazu gehören auch die Gemäldegalerie Dachau und die Neue Galerie Dachau, die bei diesem besonderen digitalen Museumstag Gäste bei MuseenDachauerLand sind und ihre „Verborgenen Schätze“ vorstellen.

Das Bezirksmuseum erläutert, was es mit einer Hungersemmel auf sich hat, die Gemäldegalerie erzählt die Hintergründe der Entstehung des Porträts einer „Jungen Ägypterin“ und die Neue Galerie zeigt, dass Ohrenstäbchen nicht nur zur Reinigung des Hörorgans verwendet werden können. 

Bezirksmuseum Dachau

Lebensmittel sind wegen ihrer organischen Beschaffenheit in Museumssammlungen eher selten. Andererseits rücken sie in Zeiten eines stark eingeschränkten sozialen und wirtschaftlichen Lebens, wie wir sie durch die Corona-Pandemie derzeit erleben, auch abseits von gesundheitlichen Aspekten stärker in den Fokus. Im Zeitalter globalen Handels und Wirtschaftens fürchten wir, sie könnten erneut knapp und teurer werden. Die alten Menschen unter uns können sich noch gut an solche Zeiten erinnern.

Da wir uns wegen „Social Distancing“ und Ausgangsbeschränkungen im Moment nicht gegenseitig zum Essen einladen oder Restaurants und Gaststätten besuchen können, hat das Museum dazu ein passendes Objekt ausgewählt.

Hungersemmel, Roggenbrötchen im Bleiglaskästchen,Dachau 1817,(Inv.Nr. HS-sg-1)

Die in einem mit Blei gerahmten und verglasten Kästchen aufbewahrte so genannte Hungersemmel von 1817 ist – zumindest auf den ersten Blick – ein unscheinbares Objekt. Sie wurde vor über 200 Jahren von einem Dachauer Bäcker aus Roggenmehl gebacken, um an die eben überstandene Lebensmittelknappheit zu erinnern. Aufgrund eines Vulkanausbruchs auf Island kam es im Lauf des Jahres 1816 zu verheerenden Missernten in Europa. Die Grundnahrungsmittel waren knapp und enorm teuer. Viele Menschen hungerten.

Übrigens: 100 Jahre später, zur Zeit des Ersten Weltkriegs, erlebten Menschen dies wieder, wie z. B. in München. Dort kam es im Juni 1916 aufgrund der knappen Lebensmittelrationierung

 

Gemäldegalerie Dachau

Tony Binder (1868-1944), Junge Ägypterin, 1940, Mischtechnik auf Papier, Blatt 59 x 45,5 cm, o. seitl. sign., dat. “Tony Binder 1940”; re. o. bez. „JUNGE Ägypterin“, (Inv. Nr. GG 351)                                                

Der Maler der »Jungen Ägypterin« hat ein sehr bewegtes Leben geführt. Der gebürtige Wiener Toni Binder (18.1.1868 Wien – 18.1.1944 Nördlingen) studierte zunächst Malerei an den Kunstakademien in Wien und München. Noch vor 1890 kam er mit dem französischen Orientmaler Camille Boire in Kontakt. Möglicherweise inspirierte ihn diese Begegnung zu seiner ersten Orientreise, die er im selben Jahr antrat. 1891 ließ er sich in dem damals angesagten Badeort Heluan vor Kairo nieder. Hier arbeitete er als Fotograf im Fotoatelier Reiser. 1894 führt ihn sein weiterer Weg nach Istanbul. Aber auch hier hielt es ihn nicht lange. Bis 1901 unternahm er immer wieder Reisen nach Italien und Ägypten, sowie nach München und Wien. Hier heiratete er schließlich Maria Reiser und zog mit ihr nach Alexandria. Er besuchte Griechenland (1905/06/09) und 1911 reiste er über Frankreich nach England. 1913 war er wieder in Luxor. Der ägyptische Kalif Abbas Hilim II. war ihm Mäzen und Freund und machte ihn 1912 zu seinem Hofmaler. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er auf der englischen Insel Man interniert und zog von dort aus 1918 nach München. 1922 ließ er in Dachau ein Haus erbauen, besuchte aber auch jetzt immer wieder Ägypten. Dieses Bild entstand in seinen letzten Jahren. Es zeigt den lasziv auf einem Diwan liegenden Halbakt einer schönen jungen Frau vor einem Fenster. Ihre Hüften umhüllt ein blau/weiß gemustertes Tuch. Ihren entblößten Oberkörper zieren nur zwei schmale Halsketten, die Arme auffallende Schmuckspangen. Auffallend ist ihr Kopfschmuck. Das klassisch makellose Profil der jungen Dame wird von einem goldenen Stirnband mit einem Schlangensymbol begrenzt. Darüber liegt ein blau/grüngold gemusterter Schleier aus dem eine glänzend dunkle Haarwelle herausbricht. So perfekt die Schönheit dieser Dame scheint, die Ausarbeitung ihrer rechten Brust erstaunt den aufmerksamen Betrachter. Sie ist dem Maler nicht ganz gelungen. Die Darstellung orientalisch gekleideter Damen war modern. Und so ließen sich gerade europäische Frauen gerne in orientalischer Tracht porträtieren.

Neue Galerie Dachau

 

Ilse Haider (*1965), O. H., 1992, Laserkopie auf Wattestäbchen, 27 x 19 x 8 cm, (GG 113_01)

Das Objekt „O.H.“ der österreichischen Künstlerin Ilse Haider verbindet Bildhauerei und Fotografie. Auf die Watte-Enden von über Tausend Ohrenstäbchen, die mit einem farblich abgestimmten Kosmetikband zusammengehalten werden, ist das Bild eines Ohrs kopiert. Bildträger und Motiv kommentieren sich gegenseitig. Die Wattestäbchen sind ein vertrautes, alltägliches Mittel der Körperpflege und wie das Haarband Massenware aus dem Drogeriemarkt. Durch die enge Bündelung wurden die weißen Spitzen, getränkt mit einer lichtempfindlichen Emulsion, zum ovalen Grund auf den das Foto des Ohrs belichtet wurde. Freilich bilden sie keine geschlossene Oberfläche, sondern eine Art Rasterfeld, die sich aus vielen farbigen Punkten zusammensetzt.
Ohrenbild und -stäbchen gehören zusammen. Aber warum sollte man einem ganz offensichtlich sauberen Ohr mit Hunderten von Wattestäbchen zu Leibe rücken? Ein ironischer Kommentar zu unserem heutigen manchmal übertriebenen Reinlichkeitsbedürfnis?
Ilse Haider hat diese Arbeit in einer Ausstellung mit Johanna Kandl 1993, im ersten Ausstellungsjahr der Neuen Galerie Dachau ausgestellt und anschließend ihrer Sammlung geschenkt.

Weitere Informationen zu den neuen Sonderausstellungen des Zweckverbandes Dachauer Galerien und Museen (Filme und Bildergalerien) finden sie unter https://dachauer-galerien-museen.de/

Abbildungen Bezirksmuseum Dachau, Fotos: Brunnerphotos, Dachau