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Kreuzpartikel der St. Ottilienkirche mit Augenvotiv

Reliquien sind Überreste, Besitztümer oder Kleidungsstücke von Heiligen. Nach christlicher Auffassung besaß nicht nur die Seele, sondern auch der Leib ein Restleben, eine sog. vis vegetativa, die sich in den Leibern der Heiligen dadurch manifestierte, dass diese auf wunderbare Weise keine Anzeichen von Verwesung zeigten, Wohl- statt Leichengeruch verbreiteten, wundertätige Flüssigkeiten ausschwitzten oder sich der Manipulation durch die Lebenden (Forttragen, Misshandlung) widersetzten. Dies und ihre Fähigkeit, Wunder zu wirken, wurden als Beweise für den Aufenthalt der Seele im Jenseits und ihre Kraft zur Fürbitte verstanden und galten deshalb als die entscheidenden Erkennungsmerkmale posthumer Heiligkeit.

Christliche Heiligkeit konkretisiert sich also immer zuerst im heiligen Menschen. Von hierher, d. h. von seiner abstrahlenden Heiligkeit, sind alle anderen Erscheinungsformen des Heiligen abgeleitet: heilige Orte wie Kirchen, Städte selbst ganze Regionen (das Heilige Land) beziehen ihre Eigenschaften aus den hier versammelten Heiligengräbern oder -reliquien; heilige Objekte wie Altäre, Bilder oder sonstige Stoffe bestimmen sich ebenfalls aus ihrer Allianz bzw. Berührung mit der Reliquie; heilige Zeiten werden in Erinnerung an Ereignisse aus dem Leben Jesu oder der Heiligen begangen (Todestag, Auferstehung, Geburt).

Individuelle und kollektive Schutzverhältnisse (‘Patronat’) wurden ebenfalls im Namen, häufig sogar auf die Reliquien eines Heiligen geschlossen (Verlöbnisse, Bruderschaften). Heilige boten Schutz gegen Feinde, gegen Wetterunbilden, in Krankheit, materieller Not und Gefahr.

Kreuzpartikel waren früher besonders wertvolle Reliquien und waren Ziel von Wallfahrten. Das Heilige Kreuz wurde laut Legende von der Heiligen Helena, der Mutter Kaiser Konstantins, im Jahre 320 aufgefunden und Kreuzpartikel wurden dann von den Kreuzrittern nach Europa gebracht.

Arnold Angenendt, Heilige und Reliquien

Kreuzostensorium

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