Empfehlung Bezirksmuseum Dachau

Nur Wenigen ist bekannt, dass es in Dachau nach dem Zweiten Weltkrieg einige Jahre lang eine Schokoladenfabrik gab. 1946 kamen die aus Böhmen stammenden Brüder Franz und Hans Liebl als Flüchtlinge in den Landkreis Dachau. Trotz des großen Mangels, begannen sie in dem Dorf Einsbach mit der Herstellung von einfachem Zuckerzeug. Nach der Währungsreform 1948 gründeten sie in Dachau die ›Schokoladenfabrik Liebl‹. Um an die erforderliche Menge Zucker und Kakao zu kommen, unterhielten sie Beziehungen zum Schwarzmarkt und zur dubiosen Import-Export Firma ›Unimex‹ in München. Unter dem Markennamen ›Estorial‹ produzierte Liebl u. a. Bitter- und Milchschokolade, eine ›Diabetiker-Schokolade‹, sowie Schokoladenfiguren. Nachdem sich immer öfter Lieferengpässe im Produktionsmittelbereich und bei der örtlichen Energieversorgung ergaben, musste die Firma vorübergehend stillgelegt werden. Ende 1950 verkauften Franz und Hans Liebl dann an die ›Unimex‹-Inhaber Bela Nußbaum und Alexander Galin. Doch schon wenige Monate später setzten sich die neuen Eigentümer der Schokoladenfabrik mit DM 400.000.- nach Israel ab. Dachau hatte seinen ersten großen Finanzskandal der Nachkriegszeit.
Unter einem neuen Besitzer wurde die Produktion rasch wieder aufgenommen. Dass diese zweite Firma über einen guten Vertrieb verfügte, zeigt die Meldung von 1952 in den ›Dachauer Nachrichten‹: Im ›Kohlenpott‹ ißt man Dachauer Schokolade.
Lange Zeit wurde daher nicht publik, dass auch unter der neuen Leitung Unterschlagungen, Scheckbetrug und Vergehen gegen das GmbH-Gesetz stattfanden. Im Jahr darauf war die Katastrophe dann nicht mehr aufzuhalten. Die Verpflichtungen der Firma beliefen sich bereits auf rund eine Viertelmillion Mark. Im Januar 1953 wurde der Besitzer verhaftet und wegen betrügerischen Bankrotts verurteilt. Ende des Jahres 1952 hatte also die einst so hoffnungsvoll bewertete Schokoladenfabrik bereits wieder aufgehört zu existieren.

Foto: Weißblechformen, 1949, Privatbesitz

Abguss in Schokolade: Chocolaterie Andreas Muschler Freising, 2015

Von der 1949 in Dachau gegründeten Schokoladenfabrik der Brüder Liebl haben sich nur diese Gussformen für Blockschokolade erhalten. Zeittypisch für die 1950er-Jahre ist der Schriftzug des Firmennamens und des Standorts ›Liebl Dachau‹.
Der Chocolatier Andreas Muschler aus Freising hat die Formen für die Ausstellung mit Schokolade ausgegossen. Exklusiv zur Ausstellung gibt das Bezirksmuseum Dachau feinste Schokolade in der Edition 1949 heraus.
›Liebl Schokolade Dachau‹ aus den historischen Formen der Dachauer Schokoladenfabrik Liebl können Sie in zwei Geschmacksrichtungen an der Museumskasse kaufen: Dunkle Schokolade (65 %) Milchschokolade (38 %)

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